Freunde

Meine beste Freundin ist Jule!

Jule gehört der Mutter meines Frauchens, und wir wohnen im selben Haus. Da meine und Jules Leute die Türen auflassen, können wir uns jederzeit treffen. Als sie nach Yamis Tod ins Haus kam, war ich allerdings zunächst alles andere als begeistert. Wir, also mein Frauchen, mein Herrchen sowie Jules Frauchen und Herrchen hatten mich mitgenomen, als sie Jule abholten. Als dann das kleine getigerte Etwas, es sah verdächtig nach Katze aus (!), ins Auto gebracht und mir gezeigt wurde, habe ich erstmal knurrend mein Mißvergnügen kundgetan. Das kam dann bei meinen Leuten nicht so gut an. Aber als Jule dann in unserem Garten meinen damaligen Lieblingsfeind sofort anbellte, war alles klar. Ich bin eigentlich sehr verträglich, aber dieser Lieblingsfeind, ein Nachbarjunge, hat mich mal sehr erschreckt und auch gerne geärgert. Deshalb habe ich ihn früher oft verbellt. Heute ignorieren wir ihn einfach.

Jule ist jedenfalls ein wirklich guter Kumpel! Wir machen viel zusammen. Wir toben mit Begeisterung über Felder, Wiesen und Wälder und gelegentlich auch durchs Haus. Wir teilen unser Spielzeug, und Jule hat ebenso großen Spaß daran, Plüschtiere aufzukauen und deren Innenleben auf dem Boden zu verteilen, wie ich. Allerdings bin ich dabei wesentlich effektiver. Wir haben dieselben Freunde, wobei manche Jule lieber mögen und manche mich. Das einzige, was ich nicht so gerne mag, ist, wenn Jule bei uns schläft, wenn ihr Frauchen nicht da ist. Ich habe mein Schlafzimmer gerne für mich alleine! Und es stört mich ungemein, wenn noch ein unruhiger Geist da ist, zumal Jule auch noch die Neigung hat, zu mir zum Kuscheln zu kommen. Was mir tagsüber durchaus Vergnügen bereitet, wird mir nachts ausgesprochen lästig. Dafür liebt sie auch Süßes. Da ich gelernt habe, daß alles, was auf dem Tisch liegt, tabu ist, aber alles, was auf dem Boden liegt, für mich bzw. uns, haben wir schon das eine oder andere Mal ein paar Köstlichkeiten ergattert. An zwei Begebenheiten erinnere ich mich besonders gut:

Zu Weihnachten lagen ein paar Päckchen unter einem stacheligen Weihnachtsbaum. Wir haben es nach einer kurzen Inspektion also tunlichst unterlassen, unsere empfindlichen Nasen dort hineinzustecken. Aber aus einem kleinen Päckchen, einer mit Schleifchen zusammengehaltenen Pyramide, roch es sehr verführerisch! Jule und ich haben überlegt, was zu tun sei. Kaputt machen wollten wir ja nichts. Schließlich ging jedoch beim Rumschubsen eine der Schleifen auf. Das war es. Akribisch habe ich alle Schleifen aufgezogen, und Jule hat mit der Nase die Seitenwände auseinandergedrückt. Da lagen sie nun vor uns, die Köstlichkeiten aus Schokolade. Dummerweise waren diese in silberglänzendes Papier eingehüllt. Aber wenn man ganz vorsichtig mit den Zähnen an geeigneten Stellen zieht, kann man die Schokolade auspacken und auch noch die Umhüllung sorgfältig auslecken! Als wir uns endlich zufrieden neben den Resten ausstreckt hatten, kam unser Frauchen. Sie stutzte, kam näher und sah die Bescherung. Einen Moment lang sah sie aus, als wolle sie schimpfen, aber dann lachte sie lauthals los.

Ein anderes Mal fanden wir vor einem Geburtstagstisch eine Schachtel mit alkoholischen Pralinen. Die waren auch sehr lecker, nur lief die klebrige Flüssigkeit immer aus, bevor wir sie erwischen konnten, und tränkte den Teppich. Schade eigentlich! Herrchen hat dann seufzend den Dreck weggemacht, und seit dem lagen nie mehr leckere Sachen so einfach auf dem Boden herum.

Es gibt jedoch auch ein paar Unterschiede. Jule bellt für ihr Leben gern, was ihre und meine Altvorderen zur Weißglut bringt. Da auch Jule mittlerweile gelernt hat, daß es Dinge gibt, die man besser nicht tun sollte, hat sie die hysterische Bellerei weitgehend eingestellt. Wenn sie dann doch mal loslegt, fallen einem fast die Ohren ab. Ganz anders als ich ist sie auch in bezug auf Wasser. Ich mag Wasser nicht besonders, schon gar nicht, wenn es vom Himmel fällt oder ich hineinfalle. Jules Mißfallen beschränkt sich hingenen auf starken Regen oder Hagel. Anstonsten schmeißt sie sich in alles, was irgendwie nach Wasser aussieht, und wenn es nur ein Schlammloch ist! Jule ist zudem ein Stöckchenhund, sie rennt voller Elan hinter ihnen her und bringt sie sogar zurück. Also ich finde ja, daß, wenn die Menschen ihre Stöckchen wiederhaben wollen, sie selbst danach laufen sollen!

Natürlich habe ich bzw. haben wir noch andere Freunde!

Da wäre zunächst einmal Tschrornij. Sie kenne ich länger als Jule, denn sie gehörte schon zu dem Rudel, mit dem wir früher immer spazieren gingen. Mit Tschornij treffen wir uns relativ regelmäßig einmal in der Woche im Hundewald nebenan. Seit viele andere Hunde nicht mehr da sind, macht mir der Rudelgang allein mit ihr nicht mehr so viel Spaß. Tschornij spielt fast nie, sondern bellt meistens ihr Frauchen an, damit diese Stöcken wirft, die Tschornij nie holt, oder Leckerchen rausrückt. (Gemeinerweise darf das Frauchen unserer Freundin uns nichts abgeben. Wir würden dann zu wählerisch und zu aufdringlich, behauptet mein Frauchen.) Das Bellen geht mir allerdings auch auf die Nerven, und sogar Jule, die ja selbst in dieser Hinsicht nicht gerade ein Kind von Traurigkeit war, legt die Ohren an, wenn Tschornij einen ganz ätzenden Belltag hat. Dann kläfft sie einfach alles an: andere Hunde (macht sie eigentlich immer), Nebel, Regen, Vögel und was sonst noch so in Frage kommt und manchmal auch Menschen. Dann werden meine Leute so richtig sauer. Eine zeitlang dachte ich, daß das, was Tschornij macht, in Ordnung sei, also Hunde anbellen und Kaninchen jagen und so. Das fanden mein Frauchen und mein Herrchen nun absolut nicht, und es hat mir viel Ärger eingebracht. Na ja, so habe ich es dann wieder gelassen. Mal abgesehen davon, daß meine Leute dann zufrieden sind, man kommt auch mit anderen Hunden viel besser zurecht, wenn man die Klappe hält. Und Menschen habe ich sowieso nur ganz selten angebellt.

Zu dem erwähnten Rudel gehörten eine Menge netter Hunde. Das dicke Klärchen zum Beispiel, das schon lange tot ist. Klärchen war freundlich und behäbig, weil sie ein wenig rundlich war, und meistens gut drauf. Sie ruschte mit Begeisterung bäuchlings die Hänge hinunter, schmiß sich in dicke Herbstlaubhügel oder wälzte sich im grünen Gras. Da Klärchens Frauchen weggezogen ist, habe ich den neuen Hund von ihr, wir verstehen uns ohnehin nicht gut, nur zweilmal gesehen.

Dann war da noch Lena, die genauso alt ist wie ich. Wir haben viel zusammen gespielt und gemeinsam die Gegend erkundet. Leider ist auch sie weggezogen. E, ein Schäferhund, mit dem ich, als ich und er klein waren, viel getobt habe, gehe ich heuzutage aus dem Weg. Er hat mir zwar nie etwas getan, aber ich habe mit ein paar anderen Hunden dieser Gattung unliebsame Erfahrungen gemacht. Das ließ mich vorsichtig werden, man kann ja nie wissen... Überhaupt vermeide ich den Kontakt mit großen Hunden, es sei denn, sie sind vom Fell her hell, oder haben zumindest ein helles Gesicht. Billy, ein riesiger Schäferhundirgendwasmischling, ist sehr nett, ebenso ein paar andere, die ich regelmäßig begrüße.

Gismo war mein erster Verehrer. Er ist sogar von zu Hause weggelaufen, um an der Bank zu warten, wo er mich gesehen hatte, so groß war sein Liebeskummer. Seine Leute haben ihn kurzerhand kastrieren lassen, jetzt sind wir nur noch gute Freunde.

Mein derzeitiger Hauptverehrer heißt Charlie. Er ist lieb, nett und höflich und versucht ständig, mich zu becircen, was mir - ehrlich gesagt - ziemlich auf den Zwirn geht und ihn einem Herzinfarkt näherbringt. Deshalb treffen wir uns meistens nur noch mit seinem Stiefbruder Eddie. Das ist vielleicht ein Rabauke. Er tobt mit Jule, d.h. oft rennt er sie einfach über den Haufen. Mir ist er zu rüpelhaft, zu wild, und seine Rempeleien sind mir zu schmerzhaft. Nicht, daß ich besonders zimperlich bin, äh, jedenfalls nicht, wenn ich der Rempler bin....

So ein ganz festes Rudel haben wir nicht mehr, weil meine Leute mit Jule und mir häufig rausfahren. Aber auch dort trifft man oft sehr nette Hunde.

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